New Models #3: Küchenchefin Julie Bassets unabhängige Kochkreationen

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Im Jahr 2020 starteten wir NEW MODELS, eine Reihe von Porträts und Interviews mit Menschen und Initiativen, die die Welt von morgen gestalten. Mode, Essen, Design… Wie können wir anders produzieren? Wer rührt mal so richtig um und warum?

In dieser neuen Ausgabe präsentieren wir euch Julie Basset, Nomadenköchin und Gründerin von Cheffe Studios. Als Catering-Küchenchefin kreiert sie frei wie der Wind großzügige und zugleich maßgeschneiderte Speisen im Neo-Bistro-Stil und überzeugt mit ihren Kreationen nicht nur auf privaten Feiern, sondern auch auf Modeevents und zeitgenössischen Kunstveranstaltungen. Angetrieben von ihrer Leidenschaft und ihrem außergewöhnlichen Sinn für Ästhetik bietet sie mehr als nur eine Nouvelle Cuisine: Sie pflegt einen neuen Lebensstil und eine neue Art zu arbeiten.

Im Jahr 2015 lancierte Julie Basset Cheffe mit dem Ziel, Frauen in einem sehr männlichen Umfeld mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Und weil sie die Dinge immer auf ihre eigene Weise macht, bleibt Julie Basset nie hinter dem gleichen Herd zurück: „Ich bin eine nomadische Köchin, eine unabhängige Köchin, eine Privatköchin. Ich koche und nehme Projekte für kulinarische Kreationen an, wohin der Wind mich trägt. Ich habe mich bewusst gegen ein eigenes Restaurant entschieden. Auf diese Weise kann ich einen künstlerischen Lebensstil führen, den ich wirklich mag.”

Zwei Jahre später fügte sie dem Namen “Studio” hinzu und eröffnete ihrer Arbeit damit neue Horizonte: Eine Mischung zwischen Food-Styling und künstlerischen Installationen. Das war für sie eine Gelegenheit, für mehr Handlungsfreiheit hin zu einem ästhetischen Ansatz, sozusagen eine Erweiterung ihres Studiums der Kunst und der visuellen Kommunikation. „Ich habe das Wort Studio hinzugefügt, als ich anfing zu akzeptieren, wer ich wirklich war, um mein „visuelles Universum“ über meine Arbeit als Küchenchefin und andere Catering-Aufträge hinaus zu teilen. Die Idee war, mit den Talenten um mich herum zusammenzuarbeiten, Bequemlichkeit und Schönheit zu verbinden und von der Küche in eine Art Atelier, daher der Ausdruck „Studio“, zu wechseln.”

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Julie Basset arbeitet nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch mit Erinnerungen und Emotionen. Ihr Motto: „Das Rohprodukt aufwerten”. Zur Inspiration greift sie gerne auf Bistrogerichte und traditionelle Hausmannskost zurück. Im Studio stellt sie Kreationen her, fernab von versnobten Diktaten der Food-Industrie: „Meine Gerichte sind neugierig, farbenfroh und sonnig mit einem Hauch von Streetfood.“ Bei sommerlichen Mittagessen oder Fingerfood-Aperitifs setzt Julie auf Frische: „Ich serviere saisonales Gemüse hauchdünn mit der Mandoline geschnitten, wie ein Carpaccio, roh und knusprig, auf einem großen Teller für alle, mit meiner 3A-Sauce: 1/3 Arganöl, 1/3 Zitronenschale und -saft und 1/3 Agavendicksaft. Noch ein paar junge Kräuter dazugeben sowie essbare Blüten und kalt genießen“.

Die Zukunft des Essens: digitaler, aber auch menschlicher

Wie andere Branchen hat auch das Gastgewerbe durch die Coronaviruskrise einen schweren Schlag erlitten. Julie glaubt, dass die Zukunft des Essens digitaler und personalisierter sein wird: „Die bereits jetzt sehr präsenten Dienstleistungen werden sich sicher noch weiterentwickeln. Alles wird digitaler, der Schwerpunkt liegt auf dem Lieferservice. Kleine Läden werden wahrscheinlich schließen, trendige Läden werden überleben, Fastfood wird weiterhin boomen und vielleicht werden Privatköche bald zu einer alltäglichen Sache!“ Die Zukunft ist auch eine Chance für einen kompletten Wandel: „Ich persönlich habe ein tiefes Bedürfnis, mein eigenes Gemüse anzubauen, um den Lebensmitteln näher zu sein als je zuvor.“ Von diesem intuitiven Impuls motiviert, beschloss sie, ihr letztes Loft-Kochstudio im 18. Arrondissement von Paris zu verlassen, um nach einem naturnäheren Projekt zu suchen.

Hier entdecken: Die Webseite von Cheffe Studio und  Julie Bassets Instagram Account

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